Sprecher diskutieren Bildungspolitik mit dem Kultusminister

Welche Schwerpunkte will der neu gewählte Landesschülerrat setzen? Bei einem Kennenlernfrühstück mit Kultusminister Ludwig Spaenle konnten die Schülersprecher ihre Pläne erläutern. Die Vertreter der Schülerinnen und Schüler aller Schularten wollen sich vor allem für größere Durchlässigkeit im Bildungssystem engagieren.

Kultusminister Ludwig Spaenle mit Ansgar Münichsdorfer und Axel Schweer-Baumeister

Im Dezember 2011 ist der neue Landesschülerrat gewählt worden. Die 40 Bezirksschülersprecher aller bayerischen Schularten gaben ihre Stimme ab. Sie bestimmten sechs neue Sprecher und ihre Stellvertreter.

Der Landesschülerrat ist noch relativ neu: Erst Anfang 2008 wurde er ins Leben gerufen. Die Schülermitverantwortung soll mit ihm gestärkt werden. Seit August 2008 ist das Gremium sogar gesetzlich verankert, im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz.

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle hatte die Vertreter der Schülerinnen und Schüler nun zu einem besseren Kennenlernen ins Kultusministerium nach München eingeladen. Der Minister diskutierte mit den Schülern, wie das Gremium Landesschülerrat noch weiter verankert werden kann.

Die neuen Landesschülersprecher haben sich für ihre einjährige Amtszeit vorgenommen, den Landesschülerrat und seine Aufgaben bei der Schülerschaft bekannter zu machen. Der Rat muss bei allen wichtigen Anliegen des Schul- wesens gehört werden, zum Beispiel bei Änderungen der Schulordnungen.

Dabei hat der Landesschülerrat schon vielbeachtete Projekte organisiert. „Der Landesschülerrat ist ein wichtiges Gremium“, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle, der auch darauf verwies, dass er früher selber einmal stellvertretender Bezirksschülersprecher war. „Das Mobbing-Projekt ist ja aus ihrer Mitte entstanden“. MOBBEN STOPPEN soll auch in diesem Jahr fortgesetzt werden, wie Bezirksschülersprecher Ansgar Münichsdorfer sagte. Schwerpunkt in diesem Jahr: Informationen über Integration und Inklusion. 

Die Landesschülersprecher im Dialog mit Kultusminister Ludwig Spaenle

Besonders der Aspekt der Öffentlichkeitsarbeit ist den Schülervertretern dabei wichtig. Inhaltlich möchten sich die neuen Schülervertreter für die Stärkung der schulischen Qualität einsetzen. Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf die Stärkung der Durchlässigkeit im bayerischen Bildungssystem – ein Thema, das auch für den Kultusminister höchste Priorität genießt.

„Sie beweisen durch ihr Leben, dass es im bayerischen Bildungssystem viele Wege gibt“, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle zu den Schülersprechern. Wie durchlässig das Bildungssystem ist, haben viele der Landesschülersprecher selbst erfahren. So wie Anastasja Skuropat, 2. Landesschülersprecherin Realschule. Sie war zunächst auf dem Gymnasium, absolviert nun die 10. Klasse Realschule und will danach wieder auf das Gymnasium wechseln. „Kein Abschluss ohne Anschluss stimmt für mich absolut“, sagt sie. Oder Ayaka Madut, der Landesschülersprecher Realschule, der erst die 5. Klasse Hauptschule absolviert hat und dann die 5. Klasse in der Städtischen Werner-von-Siemens-Realschule München. „Ich habe gesehen, mir stehen alle Möglichkeiten offen“, meinte er.

FOS/BOS-Schülersprecher Axel Schweer-Baumeister von der Staatlichen Berufsoberschule Ingolstadt regte an, solche Treffen mit dem Minister – oder dem Staatssekretär – in der einjährigen Amtszeit des Landesschülerrates öfter durchzuführen.

Ludwig Spaenle und Anna-Lena Böhm, Landesschülersprecherin für Berufliche Schulen

Im Anschluss an das Gespräch mit dem Minister hatten die Schülersprecher Termine im Kultusministerium  – sie führten Fachgespräche mit leitenden Mitarbeitern des Ministeriums, nach Schularten getrennt. Im Gespräch mit dem Minister war klar geworden, dass die Schülersprecher wohl keinen Anlass für Fundamental-Kritik am Bildungssystem in Bayern sahen. Anregungen wurden dann eher in den Einzelgesprächen vorgebracht.

Landesschülersprecherin Anna-Lena Böhm regte etwa an, Englisch an Beruflichen Schulen als Pflichtfach zu etablieren, nicht nur als Wahlfach. Nach ihrer eigenen Erfahrung ein wichtiger Aspekt, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Auch bei ihrer eigenen Ausbildung im Pflegebereich sei Englisch oft unerlässlich, da viel Patienten gar kein Deutsch sprächen.