Landesschülerrat beim Schüler*innentalk im Bayerischen Landtag

Die Digitalisierung an bayerischen Schulen darf kein Alleingang von Seiten der Politik werden. Der digitale Ausbau kann nur zusammen mit allen Beteiligten gelingen. Dazu gehören auch die Schülerinnen und Schüler.

MÜNCHEN – Wie weit ist die Digitalisierung an bayerischen Schulen bereits fortgeschritten? Was muss sich bildungspolitisch in Bayern ändern, damit bayerische Schulen auch in Zukunft im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig sind? Was wünschen sich die bayerischen Schülerinnen und Schüler von der Politik und wie soll Digitalisierung an Schulen in ihren Augen aussehen?

Das waren einige Kernfragen, über die sich 29 Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern mit Maximilian Deisenhofer, MdL (Bündnis`90 Die Grünen), austauschten. Der Einladung in den Bayerischen Landtag folgte auch der Landesschülerrat, der mit zwei Vertretern kam.

In einer sehr offenen und zwanglosen Gesprächsrunde wurden von beiden Seiten wichtige Themen und Denkanstöße geäußert. Schnell wurde klar, dass man sich in großen Kernfragen einig ist. So ist es wichtig, die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen weiter zu stärken, damit auch junge Menschen ihr Umfeld politisch aktiv mitgestalten können. Außerdem darf das Thema Depressionen und Psychische Belastungen in Schulen nicht unter den Tisch fallen. Hier muss zusammen mit allen Akteuren in der Bildung nach adäquaten Lösungen gesucht werden. Ganz wichtig ist, auch betroffene Schülerinnen und Schüler einzubeziehen.

Der Diskurs darüber, wie und mit welchen digitalen Geräten die bayerischen Schulen ausgestattet werden sollen, erstreckt sich bereits über einige Jahre. Viele Experten, Lehrerverbände, die Wirtschaft und Politiker wurden gefragt, wie digitale Bildung und Medienkompetenz an Schulen aussehen und unterrichtet werden sollen. Doch die Meinungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler werden bei diesen Diskussionen häufig unterschlagen. Dabei sind die Erfahrungen und Meinungen der Schülerinnen und Schüler für diesen Prozess von immenser Bedeutung, schließlich sind die „Digital Natives“ die zukünftigen Benutzer der Geräte. Außerdem ist es unserer Meinung nach äußerst wichtig, bei allen bildungspolitischen Themen mit allen Beteiligten zu sprechen.

Obwohl eine gewisse Annäherung erreicht ist, gibt es hinsichtlich der digitalen Ausstattung immer noch einige Unterschiede zwischen den Schulen. Weiterhin ist noch lange nicht garantiert, dass die vorhandenen Geräte auch funktionieren und ausreichend gewartet werden. Der LSR ist der Meinung, dass der Freistaat schnell reagieren muss, damit die bayerischen Schulen mit dem technischen Fortschritt mithalten können. Weiterhin darf es nicht sein, dass der Wohnort und die finanziellen Mittel vor Ort darüber entscheiden, wie qualitativ hochwertig der EDV- oder IT-Unterricht an der jeweiligen Schule ist. Hier geht es um Chancengleichheit und Fairness bei der Ausstattung der Schulen mit digitalen Geräten. Es darf in Bayern keinen Unterschied geben, der evtl. auch Auswirkungen auf die Gesamtleistung der Schülerinnen und Schüler hat.

Neben der Ausstattung stellt auch die Ausbildung der Lehrkräfte ein Problem im Schulalltag dar. Die oft völlig überlaufenen oder bezogen auf das Niveau der Lehrkräfte unpassenden Fortbildungen bereiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht adäquat auf das Unterrichtsgeschehen vor. Aufgrund von Verunsicherung entscheiden sich dann einige Lehrkräfte, auf digitale Medien gänzlich zu verzichten, anstatt einen Versuch zu wagen. Wir finden, die Fortbildung von Lehrkräften muss niveaugerecht und zügig erfolgen, sodass keine Lehrkraft über- oder unterfordert wird. Neben den regelmäßigen Fortbildungen in Dillingen erachten wir Veranstaltungen innerhalb der jeweiligen Schule als sehr gute Alternative, da die Zielgruppe so exakt angesprochen werden kann. Wir sprechen uns dafür aus, dass auch technikaffine Schülerinnen und Schüler Lehrerfortbildungen anbieten. Das wäre ein Beitrag zur Mitgestaltung und Mitbestimmung des Schullebens, der sich positiv auf das Schulklima auswirken dürfte. Zudem würde der Perspektivenwechsel von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften sicher wichtige Erkenntnisse bringen.

Eine Anpassung bzw. Ausweitung des IT- oder EDV-Unterrichts an bayerischen Schulen ist unerlässlich. Die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler muss stärker gefördert werden. Gefahren lauern im Internet überall und oft sind gefährliche Inhalte oft nur einen Mausklick entfernt. Aus diesem Grund muss das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler entsprechend geschärft werden. Dabei sollte diesen aber keinesfalls die Freude an digitalen Geräten genommen werden.

Wir erkennen deutlichen Handlungsbedarf der Staatsregierung in Sachen digitaler Ausbau an bayerischen Schulen und fordern diese auf, zügig und in Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern zu handeln. Die Liste an noch zu erledigenden Dingen ist nahezu endlos lang, doch gemeinsam können wir dem Ziel Stück für Stück näher kommen.